Jean-Paul Sartre – Existentialismus

Jean-Paul Sartre – Existentialismus

Vorwort

Im Folgenden werden zwei verschiedene Arbeiten zu dem Thema „Existentialismus“ nach Jean-Paul Sartre vorgestellt.

Zunächst erläutert Christina in einer Zusammenfassung, was die wichtigsten Elemente dieser philosophischen Richtung sind. Anschließend haben Joshua und Brendan ein fiktives Interview verfasst, um diese Inhalte noch etwas anschaulicher zu gestalten.

Viel Spaß bei der Lektüre!


Sartre – Zusammenfassung

Wie frei sind wir selbst als Individuum eigentlich wirklich? Und wer trägt die Verantwortung für unser Handeln? Wer trägt die Schuld? Mit diesen Fragen hat sich auch der Philosoph Jean-Paul Sartre befasst.

Als Grundlage seiner Auffassungen stützt er sich auf den Existentialismus. Sartre geht davon aus, dass bei dem Menschen die Existenz der Essenz vorausgeht, da der Mensch zu Beginn nur existiert. Er ist ein Nichts. Im Laufe der Zeit bildet er seine eigene Essenz aus, er entfaltet sich selbst.

Aufbauend darauf Sartre davon aus, dass jedoch bei Gegenständen, die eine Herstellung benötigen, wie zum Beispiel ein Brieföffner, die Essenz der Existenz vorausgeht. Erst muss die Idee und das Konzept eines Gegenstandes bestehen (Essenz), bevor er hergestellt werden kann (Existenz); der Erfindungsgedanke eines Brieföffners muss vorhanden sein, um den Gegenstand, den wir nun als Brieföffner kennen, herzustellen.

Des Weiteren führt Sartre den Existentialismus weiter aus, indem er davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt und wir somit auf uns selbst zurückgeworfen sind und auch keine andere Rechtfertigung bringen können, außer dass wir für unser Verhalten selbst verantwortlich sind. Somit ist er ein Vertreter des atheistischen Existentialismus.

Daraus resultierend hat auch jeder Einzelne, jedes Individuum, die Wahl „Nein“ zu sagen, da jeder die maximale Verantwortung, für alles, was er tut, trägt. Wir leben in einer Welt voller Forderungen, Widerständen und Erwartungen von beispielsweise der Gesellschaft, der Familie, des sozialen Umfelds, der Gesetze und vor allem von uns selbst. Nach Sartre muss deshalb jeder Entscheidungen treffen, welche diese Widerstände in das eigene Handeln integrieren. Im besten Fall macht man sich die Hindernisse zunutze. Diese Entscheidungen sind abhängig vom Gesamtentwurf unseres Selbst, also des Charakters und der Grundeinstellung eines Individuums.

Alle unsere individuellen Entscheidungen führen die Menschheit zusammen und binden sie. Dies zieht eine gewisse Verantwortung mit sich, die wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Gesamtheit tragen. Wenn ich etwas Gutes oder Schlechtes tue, wirkt sich das immer auch auf andere Menschen aus.

Aus all diesen Aspekten zieht Sartre letztendlich, dass der Mensch dazu verurteilt ist, frei zu sein: „Der Mensch ist die Freiheit“. Diese These begründet er damit, dass der Mensch sich nicht selbst erschaffen hat und somit nicht wählen konnte, ob er leben möchte oder nicht. Er wurde von der Natur zum Leben gezwungen und ist daher zum Freisein verurteilt. Und Freisein heißt auch die schwere Last der maximalen Verantwortung zu tragen.

Zusammenfassend ist Jean-Paul Sartre ein Vertreter des atheistischen Existentialismus, sowie des Individualismus und somit der Auffassung, dass der Mensch zu seiner Existenz gezwungen wird, weshalb er jedoch frei darin ist, sich selbst zu formen und zu entfalten. Daraus mitführend muss man aber auch Verantwortung für sein Handeln und die Gesamtheit der Menschheit tragen, da es für das Verhalten jedes Einzelnen keine Entschuldigungen gibt, denn allein man selbst ist für dieses verantwortlich.

Christina Lensches (Q1)


Sartre – Interview:

I = Interviewer / S = Sartre

I: Guten Morgen, Herr Sartre.
S: Guten Morgen.
I: Vielen Dank, dass Sie heute gekommen sind und Sie sich Zeit genommen haben. Heute sprechen wir über den Existentialismus.
S: Gerne, irgendwelche konkreten Fragen?
I: Ja, was ist für Sie Existentialismus?
S: Gute Frage. Für mich bedeutet Existenzialismus, dass die Essenz eines Subjekts der Existenz dessen voraus geht. Dies gilt allerdings nicht für uns Menschen.
I: Können Sie dies erläutern?
S: Natürlich! Nehmen wir hierfür eine Bank. Diese Bank ist ein Objekt, welche auf einer Idee beruht. Die Idee dessen, dass man auf einem Objekt den nötigen Platz zum Sitzen hat. Auf Grund dessen wurde dann das Objekt Bank gebaut. Die Essenz, also der Entwurf war bereits da, bevor die Existenz, also die Bank als Objekt, selber gebaut wurde.
I: Und bei uns Menschen?
S: Genau, bei uns Menschen ist es so: Gehen wir von einem Gott aus, so gab es ein höheres Wesen, welches uns entwarf und nach diesem Abbild schuf. Gehen wir aber wie ich davon aus, dass es keinen Gott gibt, so gab es auch niemanden, der die Idee, besser gesagt den Entwurf eines Menschen hatte. Unsere Existenz geht also unserer Essenz voraus. Unsere Essenz, das sogenannte Ich, entsteht also erst im Laufe unseres Lebens und ist erst dann erreicht, wenn wir fertig gelebt haben. Die Essenz bindet also unsere geistigen, physischen und metaphysischen Erfahrungen und bildet uns zu uns. 
I: Ah ok, was genau macht uns denn zu uns, Herr Sartre?
S: Wir selber sind es, die uns zu uns machen. Sehen Sie, wir haben immer die Wahl zu entscheiden. Wir können immer wählen zu wählen. Es ergibt sich daraus also Folgendes: Der Mensch ist frei. Frei in seinen Entscheidungen, in seiner Art und Weise. Jedoch müssen wir hierbei bedenken, dass wir in einer Welt voller Forderungen leben, welchen wir nachkommen müssen, weswegen sich automatisch eine Art Norm- beziehungsweise Wertesystem bildet.
I: Sie sagten, wir sind frei zu wählen. Können Sie dies anhand eines Beispiels erläutern?
S: Klar. Wir als Individuum haben jeden Tag tausende von Entscheidungen zu treffen. Dies fängt allein schon beim Aufstehen an. Hab ich heute Motivation? Möchte ich heute beim Bäcker doch lieber ein Brötchen statt ein Croissant? Wir entscheiden fast immer. Auch jetzt gerade haben Sie sich dazu entschieden, mich etwas zu fragen. Wir können also immer unsere eigenen Entscheidungen treffen. Dabei entsteht eine enorme Freiheit, welche zunächst scheinbar ohne Verantwortung von statten geht.
I: Inwiefern ohne Verantwortung.
S: Die Verantwortung kommt allgemein von den Auswirkungen meiner Handlung auf Andere, von Institutionen und dem Staat. Ohne solchen würden wir ohne Moral handeln. Wir würden keine Regeln kennen, welche uns davon abhalten würden zu machen, was wir wollten. Wir bilden also ein System auf, welches uns die Verantwortung vorgibt, besser gesagt, welches uns Regeln gibt.
I: Noch eine letzte Frage. 
S: Ja bitte!
I: Würden Sie soweit gehen, dass wir unser eigenes Handeln nicht verantworten können?
S: Nein, wie bereits erwähnt haben wir immer die Möglichkeit zu entscheiden. Wir können gegebenenfalls immer nein sagen. Klaue ich jetzt dieses Auto? Nein! Töte ich jetzt dieses Tier? Nein! Sehen Sie, hätten wir diese Wahl nicht, so würden wir ein Kollektiv erschaffen. Das Individuum Mensch würde also wegfallen. Wir hätten keine Wahl mehr wir selbst zu sein, unsere Essenz zu bilden.
I: Danke sehr.
S: Gern geschehen.
I: Möchten Sie zum Schluss noch etwas anmerken?
S: Ja bitte. Rennt nicht euer ganzes leben lang anderen hinterher und fangt an euch selbst hinterher zu rennen.

Joshua Knauth & Brendan Panitzky (Q1)

Christina Lensches

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